Unsere Welt.Stadt der Sehnsucht».Gedichte».Kurze Geschichten».Interessantes.
Der folgende Schulaufsatz, den ich im Alter von dreizehn Jahren mit einem selbst zu wählenden Thema schrieb, hatte unserem Klassenlehrer Kolb so sehr gefallen, dass er ihn am Unterrichtsbeginn des folgenden Tages der ganzen Klasse vorlas, was er zuvor und danach nie wieder bei einer Schülerin oder einem Schüler unserer Klasse machte. Von dem, was er danach sagte, kann ich mich nur noch an den Satz erinnern: „Du solltest Schriftsteller werden!“
Der Samstagabend auf dem Dorf  (alte Rechtschreibung nicht geändert)
Strahlend blauer Himmel. Nicht das kleinste Wölkchen trübt den Blick nach oben. Viele hochbetagte Frauen und Männer, die nach einem arbeitsreichen Leben bei der schweren Feldarbeit nicht mehr mithelfen können, sitzen im Abendschatten auf selbstgezimmerten Holzbänken entspannt plaudernd beisammen. In unregelmäßigen Abständen fahren mit Getreidegarben hoch beladene  Wagen vorbei in Richtung einer der beiden großen Dreschhallen unseres kleinen Dorfes zu den von mir bestaunten Maschinen. Sie schlucken oben mit lautem Getöse die aus der Getreideschnur gelösten Garben und unten rieselt wie durch ein Wunder sauberes Getreide in die Säcke. Ganz oben auf den Pferdewagen sitzen auf den mit einem Wiesbaum gespannten Garben oft Kinder, die meist bei der schweren Feldarbeit mithelfen müssen. Die eisenbereiften Räder knirschen unter der schweren Last auf den geschotterten Dorfstraßen.
Sorgenvoll blicken die älteren, auf den Bänken sitzenden Leute zum Himmel, denn schnell verfinstert sich der soeben noch strahlend blaue Himmel. Die Bauern treiben mit der Peitsche die Pferde an, um mit dem Getreide trocken die Dreschhalle oder zumindest noch rechtzeitig die eigene Scheune zu erreichen. Die in anstrengender Arbeit mit der Sense geerntete Feldfrucht muß sonst anderntags  mühsam in der Sonne getrocknet werden.
Doch urplötzlich durchzuckt ein greller Blitz den Himmel und bald darauf ist ein dumpfes Grollen zu hören. Die Hunde zerren bellend an ihren Ketten und die meisten Hühner flüchten laut gackernd in ihre Ställe, denn es folgt schon der nächste Blitz und in kürzerem Abstand als das Grollen zuvor ein lauter Donnerknall. Die Holzbänke sind leer, auf denen sich die alten Leute gerade noch angeregt unterhielten. Inzwischen fallen auch bereits die ersten Regentropfen aus den dunklen Wolken auf die ausgetrocknete Erde. Die Bauern treiben ihre Pferde noch heftiger an. Als der Regen stärker und die Donnerschläge lauter werden, scheinen auch die Pferde es eilig zu haben, in ihre Ställe zu kommen, denn sie zerren auch ohne Peitsche an den Geschirren und kommen trotz der schweren Wagen oft sogar in einen leichten Trab.
Nicht alle Wagen sind rechtzeitig unter ein rettendes Scheunendach gekommen. Von manchen Landwirten ist aus diesem Grund ein lautes Klagen oder ein verärgertes Fluchen zu hören. Auch ich muß täglich bei der Feldarbeit und im Stall mithelfen. Heute sind wir jedoch mit der Ernte fertig geworden, und deshalb kann ich das Geschehen des plötzlich aufkommenden Gewitters mit heftigem Blitz, Donner und Wolkenbruch von unserem Fenster aus beobachten.
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